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Mit dem Aufsitzmäher auf öffentlichen Strassen Fahren – Erlaubt oder verboten?

MTD Rasentraktor Minirider 76 SDE, 76 cm SchnittbreitePrinzipiell gehören Fahrzeuge aus dem Bereich der Landwirtschaft nicht auf öffentliche Straßen, sondern auf das Feld beziehungsweise die Rasenfläche. Dazu gehört auch der Aufsitzmäher. Es kommt aber vor, dass ein Grundstück bearbeitet werden soll, dass etwas entfernt liegt. Einen Schlepper für den Aufsitzmäher zu organisieren, der ihn sicher an weit entferntere Plätze bringt, macht durchaus Sinn und ist auch notwendig.

Was aber , wenn die entsprechende Rasenfläche nur wenige Gehminuten weiter weg ist?

Zum Überqueren einer öffentlichen Straße einen solchen Aufwand zu betreiben kostet Zeit und Geld – wirklich rentieren tut es sich in keinem Fall! Für dieses Problem gibt es eine Art Kompromiss, der aber recht komplex ist.

Die 6 km/h-Regelung

Ein Aufsitzmäher zählt zu den sogenannten selbst-fahrenden Arbeitsmaschinen.

In der Regel sind diese Fahrzeuge nicht schneller als maximal 6 km/h – im Rückwärtsgang liegen sie sogar deutlich darunter.

Bis vor einigen Jahren galt; Fahrzeuge bis zu 6 km/h sind Zulassungs-und Versicherungsfrei. Wir benötigen auch keine Fahrerlaubnis zum Bewegen desselbigen. Es ist aber zwingend erforderlich, dass der Aufsitzmäher tatsächlich nicht schneller ist; nur im 1. Gang fahren und weniger Gas geben zählt nicht! Verfügt das Fahrzeug tatsächlich über mehr PS, muss es entsprechend von einem Fachmann umgerüstet werden.

Das bedeutete für Fahrzeuge aus der Land-und Forstwirtschaft im allgemeinen;

  • Gänge verschweißen und Vergaser drosseln lassen
  • Zahnräder im Getriebe ausbauen
  • Ackeruntersetzung
  • Demontage Hebel.

Nach dem Umbau musste das Fahrzeug von einem anerkannten Sachverständigen (TÜV/Dekra) begutachtet werden.

Konkret bedeutete das; es war uns erlaubt, mit dem Aufsitzmäher stellenweise auf öffentlichen Straßen zu fahren – allerdings nicht für Spazierfahrten. Lediglich die Wege zur Arbeitsfläche (Rasen/Feld) hin und zurück durften zurückgelegt werden.

War der Aufsitzmäher nicht STVZO-Konform durften wir lediglich im Schritttempo auf dem Gehweg fahren.

Seit dem Jahre 2003 gibt es dieses Gesetz so nicht mehr. Es haben einige Änderungen stattgefunden!

Die Fahrerlaubnis-Verordnung

Mittlerweile brauchen wir zum Führen von Kraftfahrzeugen generell eine gültige Fahrerlaubnis, ganz gleich, wie PS-stark sie sind oder welchen Nutzen sie haben. Zum Mitführen eines (Wohn)-Anhängers bedarf es der Führerscheinklasse BE oder B96, je nach Größe des Anhängers.

Für das Führen von Forst-und Landwirtschaftsfahrzeugen gelten die Führerschein-Klassen L und T. Zugmaschinen für die Land-und Forstwirtschaft sind von der Fahrerlaubnis-Verordnung nicht betroffen.

Die Versicherungspflicht

Selbstfahrende Arbeitsmaschinen oder Stapler mit weniger als 20 km/h sind nicht versicherungspflichtig. Passiert beim Fahren ein Unfall, übernimmt die private Haftpflichtversicherung den Schaden.

Betriebserlaubnis

Fährt das Fahrzeug schneller als 6 km/h ist eine Betriebserlaubnis (Fahrzeugzulassungs-Verordnung, kurz; FSV) erforderlich.

Straßenverkehrsordnung

Alle Fahrzeuge, die sich auf öffentlichen Straßen bewegen, müssen zwingend STVZO-Konform sein.

Das bedeutet;

  • Blinker,
  • Beleuchtungsanlage und
  • Bremslicht

müssen vorhanden und intakt sein.

Hinter vorgehaltener Hand gilt die These, dass all die Landwirtschaftsfahrzeuge, die bereits vor der Änderung der 6 km/h-Regelung im Jahre 2003 existiert haben, weiterhin nach dieser Regelung bewegt werden dürfen. Da mittlerweile allerdings fast 15 Jahre vergangen sind, herrscht bei eventuellen Kontrollen entsprechende Strenge.

Das grüne Nummernschild

Das normale KFZ-Kennzeichen mit schwarzer Schrift auf weißem Grund kennen wir höchstwahrscheinlich alle. Zumindest die Inhaber einer gültigen Fahrerlaubnis unter uns werden beim Besitz eines eigenen Fahrzeuges zwangsläufig damit konfrontiert.

Unter diesem Kennzeichen wird der Halter des Fahrzeuges registriert und das Fahrzeug ist ordnungsgemäß angemeldet. Neben diesem offiziellen und in ganz Europa gültigen Nummernschild gibt es aber noch weitere.

Interessant für unser Thema, Aufsitzmäher beziehungsweise Landwirtschaftsfahrzeuge, ist das allgemein gültige grüne Nummernschild. Einige haben es bestimmt schon an Traktoren gesehen.

Mit dem grünen Nummernschild werden Fahrzeuge und Anhänger ausgestattet, die von der Steuer befreit sind. Hierüber entscheidet allerdings das Finanzamt und nicht die Zulassungsbehörde!

Neben den Landwirtschaftsfahrzeugen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h fallen auch folgende Fahrzeuge unter diese Kategorie;

  • alle Fahrzeuge gemeinnütziger Organisationen (humanitäre Hilfsgütertransporte ins Ausland…etc.)
  • Fahrzeuge, die ausschließlich für den Winterdienst genutzt werden
  • Arbeitsmaschinen und Stapler mit baubedingter Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h
  • Fahrzeuge für Feuerwehr/Luftrettung/Katastrophenschutz/Kranken-und Behindertentransporte
  • Anhänger-und Arbeitsmaschinen für Tiertransport-und Sportgeräte zu Sportzwecken
  • Wohnwagen/Wohnmobile und Zugmaschinen, sofern sie im Schaustellergewerbe eingesetzt werden
  • Zugmaschinen/Anhänger für Land-und Forstwirtschaftsbetriebe.

Was bedeutet baubedingte Höchstgeschwindigkeit?

Wie bereits erwähnt, gelten Tricks wie das permanente Fahren im 1. Gang mit wenig Gas nicht. Wenn das Fahrzeug tatsächlich schneller ist als vorgegeben und wir nutzen lediglich die Kapazitäten nicht, gibt es auch keine Sonderregelung. Das Fahrzeug muss baubedingt entsprechend eingeschränkt sein. Liegt das nicht vor und wir möchten dennoch von den Regelungen profitieren, bleibt uns nur der fachgerechte Umbau.

Größe des Grundstückes

Trotz all dieser Regelungen bleibt noch immer die Ermessensfrage, denn das Finanzamt ist hier der Entscheidungsträger!

Wir leben nun einmal in einem Land der komplexen Verordnungen und da gelten verschiedene Regeln.

Bei der Frage, ob wir mit unserem Aufsitzmäher auch auf öffentlichen Straßen fahren dürfen, zählt neben der Geschwindigkeit des Fahrzeuges auch noch die Größe unseres Grundstückes. Treffen alle bisher genannten Punkte zu, ist unser Aufsitztraktor berechtigt, ein grünes Nummernschild zu tragen, sofern wir über mindestens 2 Hektar Land verfügen. Tun wir das nicht, gelten wiederum besondere Regeln, die allerdings von Bundesland zu Bundesland verschieden sind.

Im konkreten Fall sollten wir uns über die entsprechenden Quellen informieren.

Der Großteil der Aufsitzmäher-Besitzer dürfte sich allerdings in den gängigen Regelungen wiederfinden und ist daher berechtigt, mit dem Mäher gewisse Bereiche auf den öffentlichen Straßen zu befahren. Wichtig: Immer an alle vorhandenen Nachweise denken!

Fazit

MCCULLOCH Traktor M155-107TCZusammenfassend ist zu erwähnen, dass der Großteil der Aufsitzmäher nicht schneller ist als 6 km/h. Auch die durchschnittliche Grundstücksgröße der Betroffenen dürfte in den seltensten Fällen 2 Hektar übersteigen. Hinzu kommt die Tatsache, dass ein Aufsitzmäher anbaufähig ist. Man kann dieses Fahrzeug beispielsweise für den Winterdienst rüsten – wir erinnern uns;

Fahrzeuge, die für den Winterdienst genutzt werden, dürfen grundsätzlich mit grünen Nummernschildern ausgestattet werden.

Das bedeutet: Steuerfreiheit und berechtigtes Fahren auf öffentlichen Straßen.

Ein weiterer Aspekt ist das persönliche Umfeld; in ländlichen Gegenden gelten andere Gepflogenheiten und es dürfte niemanden stören, wenn wir mit unserem Aufsitzmäher kurz durch öffentliche Straßen fahren.

In den Großstädten wird das sicherlich anders behandelt und fällt wahrscheinlich auch eher auf. Wir sollten uns also generell daran halten, dass ein solches Fahrzeug nicht vergleichbar mit einem normalen PKW ist und damit nicht für Spazierfahrten oder zum Abholen der schulpflichtigen Kinder oder ähnliches gedacht ist. Wenn sich jeder daran hält und wirklich nur die Strecke zur Rasenfläche damit überbrückt, dürfte es keine Probleme geben.

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